18.02.2026 –, Raum 8 (GW2 B2900)
Presentation of theoretical or conceptual contributions
Literatur –Burdman, J. (2021). „Sinn für Ungerechtigkeit“ Über die Rolle von Gefühlen bei dem Widerstand gegen epistemische Ungerechtigkeit. In: diskurs 6/ 2021, 43-62. DOI: 10.17185/diskurs/74373
Garcia, A. C. (2021): Emotionalität in der Wissenschaft – ein Thema für die Hochschuldidaktik? In: die hochschullehre 7/ 2021. DOI: 10.3278/HSL2115W
Govrin, J. (2021). Politische Körper. Berlin: Matthes & Seitz.
Hauser, M. (2024). Ambivalente Gefühle - Zur Bedeutung von Emotionen für die inklusive Hochschulentwicklung. In: Schuppener, S. & Dederich, M. (Hrsg.). Ambivalente Emotionen im Kontext von Inklusion und (Geistiger) Behinderung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 79-91. DOI: 10.25656/01:32186
Leonhardt, N.; Hauser, M. & Schuppener, S. (i.E.): ,Verlernen' als erkenntnistheoretischer Zugang in der partizipativen Forschung. In: Perchtaler, M; Küffner, C.; Pichler, C. (Hrsg.). Partizipative, inklusive und transdisziplinäre Forschung als Erweiterung klassischer Ansätze der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS.
Lubrich, O. & Stodulka, T. (2022). Emotionen in der Wissenschaft. Eine Herausforderung für Forschung und Lehre. In: Forschung und Lehre 5/ 2022. DOI: 10.48350/182143
Mau, S.; Lux, T. & Westheuser, L. (2023). Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Berlin: Suhrkamp.
Medina, J. (2013). The Epistemology of Resistance: Gender and Racial Oppression, Epistemic Injustice, and Resistant Imaginations. Oxford: Oxford UP.
Müller, V. (2024). Konfliktkultur. Streit und Wettbewerb in der Uni. In: Forschung & Lehre. https://www.forschung-und-lehre.de/karriere/streit-und-wettbewerb-in-der-uni-6716 (13.09.2025)
Rommelsbacher, B. (1998). Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht. 2. Auflage. Berlin: Orlanda Frauenverlag.
Thiele, K., Krenzer, S. (2024). Emotionen und ihre Rolle in der politischen Kommunikation der Klimakrise. https://www.germanwatch.org/de/91859 (13.09.2025)
Abstract Einzelbeitrag –Ich greife in meinem Beitrag die Frage auf, inwiefern eine aktivistische Haltung im Widerspruch zu den Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten steht (siehe CfP) und diskutiere sie im Kontext des Umgangs mit Konflikten als Form epistemischer Reibungen und als Möglichkeitsraum der Verbindung von Aktivismus und Wissenschaft.
Aktivistische Haltungen und Handlungen gehen unweigerlich mit Konflikten einher, die in ihrer unterschiedlichen Ausprägung Emotionen hervorrufen – bei den aktivistisch Handelnden ebenso wie bei jenen, die sich in welcher Weise auch immer von den aktivistischen Inhalten angesprochen fühlen (Thiele, Krenzer 2024). Konflikte als „Typus sozialer Beziehungen“ und „Begleiterscheinung gesellschaftlichen Wandels” (Mau et al. 2023, 39) sind auch in der Wissenschaft präsent, werden jedoch - in Abgrenzung zum wissenschaftlichen Streiten - aufgrund ihrer emotionalen Ausprägung häufig als unkonstruktiv abgewertet (Müller 2024). Denn während Objektivität nach wie vor eine „Grundkonstante der Wissenschaft“ (Garcia 2021, 118) beschreibt, gelten Emotionen in der Wissenschaft tendenziell als unwissenschaftlich und ,suspekt‘ (Hauser 2024; Lubrich & Stodulka 2022). Im Beitrag hinterfrage ich die Forderungen nach Objektivität und Rationalität in der Wissenschaft und diskutiere sie als Teil einer Dominanzkultur, die soziale Ungleichheit im Hochschulkontext reproduziert und aktivistische Wissenschaft mit gesellschaftlichem Veränderungspotential verhindert (Leonhardt et al. i.E.; Rommelsbacher 1998). In diesen Zusammenhang stelle ich das Offenlegen und Austragen von Konflikten (und damit verbundenen individuellen wie kollektiven Emotionen) als Form epistemischer Reibungen (Govrin 2021; Medina 2013), die die transdisziplinäre und aktivistische Zusammenarbeit zwischen Akteuren differenter epistemischer Standpunkte und Begehren bereichert. Über epistemische Reibungen entsteht die Fähigkeit, „die Welt aus mehr als einer Perspektive wahrzunehmen […]“ (Medina 2013, 74) und Konflikte sind für diesen Prozess „kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung von Kommunikation“ (Burdman 2021, 58). In meinem Beitrag möchte ich die Möglichkeitsräume, die sich aus einer veränderten Haltung gegenüber Konflikten und Emotionen für die (aktivistische) Inklusionsforschung ergeben können, aufzeigen und begleitet durch einen wissenschaftshistorischen Blick gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutieren.
Mandy Hauser, Dr.in, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Inklusive Bildung und Partizipation im Kontext Geistiger Behinderung an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind inklusionsorientierte Hochschulentwicklung, Partizipative und Inklusive Forschung, Emotionen im Kontext inklusiver (Hochschul)Entwicklungen, Reflexivität in der Lehrer:innenbildung.