Helfen in pädagogischen Organisationen (Raum 10 - Slot 4b)
19.02.2026 , Raum 10 (GW2 B3010)


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Presentation of theoretical or conceptual contributions

Abstract Einzelbeitrag

„Die Sonderpädagogik begründet seit ihren Anfängen als Hilfsschulpädagogik die Unverzichtbarkeit einer eigenständigen Sonderschule mit […] Behauptungen, die, ungeachtet des Wandels der Theorie, bis heute gleich geblieben sind“ (Hänsel, 2003, S. 593). Offensichtlich bleibt es – auch nach der Ratifizierung der UN-BRK – vielerorts so, dass die Organisation Schule alleine „nicht richtig hilft“ (vgl. dazu Grummt, 2019, S. 593). Helfen, Fördern und Inkludieren, so die vor allem in westlich geprägten, ehemaligen Industriestaaten durchaus weit verbreitete Annahme, müsse folglich ‚anders‘ – nämlich sonder-, förder-, inklusionspädagogisch – organisiert werden (Schulz, 2022).
Ausgangspunkt für den Beitrag ist, dass organisierte Hilfe, Förderung und Inklusion denjenigen etwas verspricht, die als ‚abweichend‘ von einer imaginierten Leistungs-, Fähigkeits- und Körpernorm beobachtet werden (Hänsel, 2024, S. 52 ff.; Bode, 2024). Das Helfen für diejenigen, die als ‚hilfe‘- und ‚förderbedürftig‘ bzw. als ‚behindert‘ und ‚migrationsanders‘ beobachtet werden, findet dabei teilweise in separierten Subeinheiten wie auch in der ‚Mitte‘ des Bildungssystems und im Dauermodus statt, weshalb durchaus von „multipler Inklusion“ (Stichweh, 2015, S. 65) bzw. Exklusion gesprochen werden kann. Je nach Perspektive kann ‚Hilfe‘ dabei wenig bis gar nicht hilfreich sein oder bisweilen auch in Bildungsarmut umschlagen (Jantzen, 2019, S. 310; Cudak, Jäger, Rostas 2025; Cudak, Rostas 2025; Cudak 2025).
Im Beitrag wird analysiert, wie Hilfebedarfe in modernen, westlich geprägten Gesellschaften beobachtet, zugeschrieben und repetuiert werden. Ausgehend von der Annahme, dass menschliche Diversität ontologischer Kernbestand des Zusammenlebens und -lernens ist und Gesellschaft nicht per se ein ‚normiertes‘ System darstellt, werden ausgewählte Konstruktionsdynamiken von ‚Abweichung‘ betrachtet. Die – teilw. paradoxen – Folgeprobleme organisierten Helfens werden entlang von vier Dimensionen organisierter Hilfe (Böhringer et al., 2022b) rekonstruiert. Offengelegt wird dabei, dass die hier implizite Systemkritik nicht neu ist. Gefragt wird deshalb, wie sich das Zusammenleben und -lernen der Vielen vor diesem Hintergrund in gerechter und menschenrechtsbasierter Weise transformieren ließe.

Literatur

Bode, I. (2024). Organisationen der Hilfe. In M. Apelt & V. Tacke (Hrsg.), Handbuch Organisationstypen (S. 293–310). Springer VS.
Böhringer, D., Hitzler, S. & Richter, M. (2022). Konstellationen organisierten Helfens. In: D. Böhringer, S. Hitzler & M. Richter (Hrsg.): Helfen: Situative und organisationale Ausprägungen einer unterbestimmten Praxis. (S. 15–36). Bielefeld, Germany: transcript Verlag.
Cudak, K. (2025). Bildung im Exklusionsmodus – Effekte und Wirkmechanismen institutioneller Schließung gegenüber der ›Einwanderung aus Südosteuropa‹. In T. Neuburger (Hrsg.), Institutioneller Antiziganismus Institutioneller Antiziganismus. Rassismus im Kontext von EU-Migration (21 Seiten; im Druck). transcript.
Cudak, K., Jäger, M. & Rostas, I. (2025). Ungleiche Teilhabe: Bildungserfahrungen und Perspektiven von Romnja und Sintize in der Stadt Freiburg. Wiesbaden; Springer VS.
Cudak, K. & Rostas, I. (2025). Bildungsarmut von Sinti* und Roma In G. Quenzel, K. Hurrelmann, J. Groß Ophoff & C. Weber (Hrsg.), Handbuch Bildungsarmut (S. 1–21). Wiesbaden; Springer VS.
Grummt, M. (2019). Sonderpädagogische Professionalität und Inklusion. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
Hänsel, D. (2003). Die Sonderschule - ein blinder Fleck in der Schulsystemforschung. Zeitschrift für Pädagogik, 49, S. 591-609.
Hänsel, D. (Hrsg.). (2024). Historiographie der Sonderpädagogik. Beltz Juventa.
Jantzen, W. (2019). Behindertenpädagogik als synthetische Humanwissenschaft: Sozialwissenschaftliche und methodologische Erkundungen. Dialektik der Be-Hinderung. Psychosozial Verlag.
Schulz, M. (2022). Die Entdeckung pädagogischer Individualität. In B. Konz & A. Schröter (Hrsg.), DisAbility in der Migrationsgesellschaft. (S. 111–124). Verlag Julius Klinkhardt.
Stichweh, R. (2015). Inklusion und Exklusion. Hawthorne: transcript Verlag.

Inklusion, Teilhabe & Soziale Arbeit
Dis*Ability, Migration, Flucht, Gender, Armut
Sprachlich-kommunikative Diversität , Translanguaging, Mehrsprachigkeit
Exklusions-, Diskriminierungs- und Antirassismusforschung
Organisationsentwicklung & -management
Quartier, Stadt, Sozialraum, Stadtgesellschaft

Diese(r) Vortragende hält außerdem:

Postdoc, DFG-Graduiertenkolleg "Folgen sozialer Hilfen", Universität Siegen