Die Hervorbringung von Fähigkeitsdifferenzen im Kontext (schul-)fachlicher Anforderungen in der berufsorientierenden Potenzialanalyse (Raum 13 - Slot 1)
18.02.2026 , Raum 13 (GW2 B3850)


Abstract Einzelbeitrag zum SymposiumPlus

Im Zuge der bildungspolitisch forcierten Berufsorientierung an Sekundarschulen haben sich sog. Potenzialanalysen als flächendeckende Auftaktveranstaltung der schulischen Berufsorientierung in den Jahrgangsstufen 7 und 8 etabliert (BMBF, 2020). Diese orientieren sich an Assessmentverfahren der Personalrekrutierung und haben das Ziel, in der Arbeitswelt nachgefragte, überfachliche Kompetenzen von Jugendlichen zu identifizieren (Driesel-Lange, 2020, 387f.). Programmatisch wird für eine diversitätssensible und damit inklusive Umsetzung des stärkenorientierten und deshalb von schulischer Leistungsbewertung abgegrenzten Verfahrens plädiert (BMBF, 2017). So könnten v.a. schulisch als leistungsschwach geltende Jugendliche, wie bspw. Schüler*innen mit Förderbedarf profitieren, deren überfachlichen Potenziale jenseits schulischer Leistung bislang wenig wahrgenommen werden (Holtmann et al., 2018, 30) und auch in ihren als erschwert beschriebenen Übergängen in berufliche Bildung und Beschäftigung kaum Berücksichtigung finden (Richter, 2016; Schreiner et al., 2024).
Der, auf einem laufenden ethnografischen DFG-Projekt (Dahmen & Thielen, 2024) basierende Beitrag fokussiert die schulintern von Lehrkräften durchzuführende Variante Kompetenzanalyse Profil AC Niedersachsen, die u.a. auf handlungsorientierten Einzel- und Gruppenaufgaben fußt (MK, 2023). An Beobachtungen an zwei sich inklusiv verstehenden Sekundarschulen rekonstruiert der Beitrag, wie schulfachliche Anforderungen im Vollzug des Verfahrens unterschiedliche Möglichkeitsräume in der Aufgabenbearbeitung und somit der Darbietung von überfachlichen Potenzialen konstituieren. Die praktiken- und differenztheoretisch (Budde, 2018) inspirierten Analysen zeigen, dass im Zuge der dadurch situativ wirksamen Fähigkeitsdifferenzen (Buchner 2022, 203) Jugendliche je nach ihren (schul-)fachlichen, bildungs- und herkunftssprachlichen Voraussetzungen, unterschiedliche Bewertungen in ihren überfachlichen Potenzialen erhalten und im Rahmen des Verfahrens bevor- oder benachteiligt werden. Der Beitrag sensibilisiert demnach für implizite Normalitätserwartungen und wenig beachtete Ungleichheitsdynamiken zu Beginn schulischer Berufsorientierung und reflektiert Anforderungen einer diversitätssensiblen und somit inklusiven Gestaltung von Potenzialanalysen.

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Präsentation laufender Forschungsprojekte (Zwischenstand)

Literatur

BMBF (2017). Talente entdecken. Handlungsleitlinien zur Durchführung von Potenzialanalysen für die Berufsorientierung.
BMBF (2020). Potenzialanalyse. Wegbereiter für eine erfolgreiche Berufsorientierung.
Buchner, T. (2022). Ableism Verlernen? Reflexionen zu Bildung und Fähigkeit als Professi-onalisierungsangebot für Lehrer*innen im Kontext inklusiver Bildung. In: Akbaba, Y., Buchner, T., Heinemann, A.M., Pokitsch, D., Thoma, N. (Hrsg.), Lehren und Lernen in Differenzverhältnissen. Pädagogische Professionalität und Migrationsdiskurse. Springer VS: Wiesbaden.
Budde, J. (2018). Differenzierungspraktiken im Unterricht. In: M. Proske, K. Rabenstein (Hrsg.), Kompendium qualitativer Unterrichtsforschung. Unterricht beobachten – beschreiben – rekonstruieren, 137-152, Bad Heilbronn: Klinkhardt.
Dahmen, S. & Thielen, M. (2024). Thematisierungsweisen beruflicher Zukünfte in Rückmeldegesprächen von Potenzialanalysen. In K. Driesel-Lange, C. Staden & B. Ziegler (Hrsg.), bwp@ Spezial 22: Berufliche Orientierung im digitalen Wandel, 1-23.
Driesel-Lange, K. (2020). Kompetenzfeststellungsverfahren als Instrument der Berufsorientierung. In T. Brüggemann & S. Rahn (Hrsg.), Berufsorientierung. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, 386-397. 2. bearb. und erw. Auflage Münster: Waxmann.
Holtmann, A. C., Menze, L., & Solga, H. (2018). Mangelt es wirklich an der „Ausbildungsreife“? Die Bedeutung von Handlungsressourcen und Gelegenheitsstrukturen für die Ausbil-dungschancen von leistungsschwachen Jugendlichen. In N. McElvany et al. (Hrsg.), Bedingungen erfolgreicher Bildungsverläufe in gesellschaftlicher Heterogenität. Interdisziplinäre Forschungsbefunde und Perspektiven für Theorie und Praxis (S. 9–33). Münster: Waxmann.
MK (2023). Kompetenzanalyse Profil AC Niedersachsen. Handbuch.
Richter, M. (2016). Berufsorientierung von HauptschülerInnen. Springer VS: Wiesbaden.
Schreiner, M., Bächler, L. & Jochmaring, J. (2024). Editorial “Inklusive Arbeitswelten?!”. Zeitschrift für Inklusion, 19(4).

• Schulische Berufsorientierung
• Übergangsprozesse im Jugendalter
• Differenz und Benachteiligung in Bildungs- und Übergangsprozessen
• Qualitative Forschungsmethoden (insb. Ethnografie)