AI for all? Inklusion und Bildungsgerechtigkeit in der DACH-Region (Raum 5 - Slot 4a)
19.02.2026 , Raum 5 (GW2 B1150)


Abstract Einzelbeitrag

Künstliche Intelligenz (KI) wird im bildungspolitischen Diskurs häufig als transformative Kraft beschrieben, die Lehr- und Lernprozesse grundlegend verändern könne (Paek & Kim 2021; Ou 2024; Sasikala & Ravichandran, 2024). Nationale KI-Strategien in Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen diesen Diskurs auf, doch eine systematische Auseinandersetzung mit Inklusion und Chancengerechtigkeit bleibt bislang weitgehend aus (Bešić, Schulz & Schmid-Meier 2025 i. Dr.). Das Projekt untersucht vergleichend Policy-Papiere der drei Länder (2018–2025), um (a) explizite und implizite Konzeptionen von Inklusion und Bildungsgerechtigkeit zu rekonstruieren und (b) Steuerungsmechanismen zu analysieren, die Bildungschancen fördern oder vernachlässigen.
Theoretisch ist die Untersuchung in den Critical Digitalisation Studies (Mcgilchrist 2021) und der equity-orientierten Policy-Forschung (Cairney 2022) verankert. Methodisch folgt sie der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker (2023). Alle Dokumente wurden von drei Forschenden unabhängig kodiert; ein deduktives Raster zu Gerechtigkeitsdimensionen wurde durch induktive Kategorien ergänzt. Mit MAXQDA erfolgte eine Auswertung, die Häufigkeitsauszählungen und Querschnitts-Vergleiche ermöglichte.
Die Ergebnisse zeigen, dass explizite Bezüge zu Inklusion und Chancengleichheit selten sind. Wo sie vorkommen, bleiben sie meist deklarativ und ohne verbindliche Maßnahmen. Differenzdimensionen wie Behinderung, sprachliche Vielfalt oder sozio-ökonomische Disparitäten treten kaum in Erscheinung. Potenziale adaptiver Lernsysteme und barrierefreier Schnittstellen werden punktuell genannt, doch fehlen Zielsetzungen, Finanzierungen oder Umsetzungsvorschläge. Zwischen den Ländern bestehen Unterschiede: Deutschland verwendet Gleichstellungsindikatoren mit gekoppelter Finanzierung, Österreich setzt auf implizite, vorwiegend MINT-orientierte Ansätze, während das dezentralisierte Modell der Schweiz zu fragmentierten, deklarativen Maßnahmen führt.
Die Analyse wird nun um Dokumente von Stiftungen, Verbänden und bildungspolitischen Stakeholdern erweitert, die mit den offiziellen KI-Strategien abgeglichen werden. Ziel ist es, Stärken und Schwächen im Ländervergleich sichtbar zu machen, Good-Practice-Beispiele zu identifizieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten. So entsteht eine Grundlage, um nationale KI-Initiativen kohärent mit dem Nachhaltigkeitsziel „inklusive und chancengerechte hochwertige Bildung“ (SDG4) zu verknüpfen.

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Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference)

Literatur

Bešić, Schulz & Schmid-Meier (eingereicht, 2025). Inclusion and Equity in Artificial Intelligence (AI): Analysis of Educational Policies in Austria, Germany, and Switzerland. International Journal of Artificial Intelligence in Education. Springer Nature.
Cairney, P. (2022). The future of education equity policy in a COVID-19 world. Journal of Public Policy, 42(3), 555–570.
Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2023). Qualitative content analysis: A guide to methods, practice and using software (2nd ed.). SAGE.
Macgilchrist, F. (2021). What is 'critical' in critical studies of edtech? Three responses. Learning, Media and Technology, 46(3), 261-267.
Ou, S. (2024). Transforming education: The evolving role of artificial intelligence in the students’ academic performance. International Journal of Education and Humanities, 13(2), 163–173. https://doi.org/10.54097/cc1x7r95
Paek, S., & Kim, N. (2021). Analysis of worldwide research trends on the impact of artificial intelligence in education. Sustainability, 13(14), 7941. https://doi.org/10.3390/su13147941
Sasikala, P., & Ravichandran, R. (2024). Study on the impact of artificial intelligence on student learning outcomes. Journal of Digital Learning and Education, 4(2), 145–155. https://doi.org/10.52562/jdle.v4i2.1234

Ich bin derzeit Gastprofessorin am Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien und karenzierte Hochschulprofessorin für Inklusionsforschung an der Pädagogischen Hochschule Steiermark.

Meine Forschung ist in der schulischen Inklusionsforschung verortet und richtet sich auf die intersektionale sowie partizipative Weiterentwicklung inklusiver Bildung. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf „Student Voice“, digitaler Transformation und Fragen von Gerechtigkeit im Bildungssystem. Zudem bin ich in der Lehrer:innenbildung tätig.

Diese(r) Vortragende hält außerdem:

My research focuses on inclusive and equitable education in the context of digital transformation. I investigate the potentials and risks of artificial intelligence in schools, with particular attention to participation, accessibility, and linguistic diversity. Further areas of work include digital-inclusion (“diklusion”) in teacher education, design-based research on digital learning environments, and early literacy development in heterogeneous groups. I also collaborate with educational institutions and policy stakeholders to co-construct innovative models of inclusive digital teaching and learning.